Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Der Erste Weltkrieg fand zwar in der Ferne statt, doch die Zivilbevölkerung spürte in Garbsen die Folgen. Zwischen Meyenfeld und Osterwald war ein Gefangenenlager für über 1.100 Kriegs- und Zivilgefangene erhalten sind davon nur noch archivalische Spuren. "Als geheim gebuttert wurde" ließen rund vier Prozent der Garbsener Gesamtbevölkerung ihr Leben an der Front.
In die Zeit des Ersten Weltkriegs fiel der Bau des Mittellandkanals in Garbsen. Er durchquert das Stadtgebiet in West-Ost-Richtung und reicht heute von der Elbe bei Magdeburg bis zum Dortmund-Ems-Kanal bei Hörstel. Das Garbsener Teilstück bis zur Bundesstraße 6 wurde 1915 fertiggestellt. Hauptsächlich Kriegsgefangene führten die Arbeiten aus. Obwohl der Kanal Wege durchschneidet und Bauern von ihren Feldern trennt, wurden laut Aktenlage wenig Einwände gegen den Bau erhoben.
In der Anfangszeit dienten zwei Ladestellen der Anbindung an die Zulieferer- und Absatzmärkte. Für die Ladestelle Berenbostel fand 1916 eigens eine Umgemeindung auf Marienwerder-Gebiet statt. Sie wurde auf Betreiben der Ziegeleibesitzer eingerichtet. Dieses Stück Berenbostel liegt heute als Exklave innerhalb des hannoverschen Stadtgebietes an der Autobahnabfahrt Herrenhausen.
Wie in Berenbostel hatte auch die Ladestelle Garbsen aus banal anmutenden Gründen keine große Auslastung und wurde bald eingestellt - wegen der fehlenden Pflasterung der Zuwege. Überall im Deutschen Reich machten sich die Folgen des Ersten Weltkriegs bemerkbar. Die "Gründerjahre" und die Blütezeit der Industrie waren vorüber, Arbeitslosigkeit, Inflation, Wohnungsnot und Hunger beherrschten auch Garbsen. Für die Ziegeleien kam der Kanal Jahrzehnte zu spät. Auch ein der Ziegelei verwandter Industriezweig, die Kalksandsteinproduktion, profitierte höchstens kurzfristig vom Kanal.
Das Ende des Kaiserreichs hatte in der politischen Organisation der Dörfer kaum eine Bedeutung. Zwar gab es formal "Arbeiter- und Bauernräte", die im Dezember 1918 gewählt wurden und zu deren Aufgaben die "öffentliche Sicherheit" und die Überwachung der "Durchführung der Vorschriften über Volksernährung" gehörten, doch nur in einem einzigen Gemeinderatsprotokoll, dem Schloß Ricklinger, wurde dieses ländliche Organ erwähnt.











